Türkisch nach der Naturmethode erlernen

Die Naturmethode entstand als eine Gegenentwurf zur Grammatik-Methode, d.h. zu dem Lernen von sprachlichen Strukturen und Vokabeln als Eins-zu-Eins Übersetzungen. Durch die Naturmethode soll das Auswendiglernen vermieden werden, weshalb sie auch als direkte Methode (engl. direct method) bezeichnet wird. Im 19. Jahrhundert trug vor allem Wilhelm Vietor dazu bei, dass im Fremdsprachenunterricht die neue Lernmethode eingesetzt wurde. Sie basiert auf der Grundidee des natürlichen Spracherwerbs.

 

Die Sprache wird nach den gleichen Lernmustern beigebracht, wie die Muttersprache erlernt wird. Der Lernende soll anfangen in der zu erlernenden Fremdsprache zu denken. Dementsprechend wird viel gelesen, ohne das Gelesene zu übersetzen. Die Texte sollen nicht vom Lehrer erläutert bzw. erklärt werden. Der Lernende wird dazu angeregt, die Sprache / die Wörter durch den Kontext zu lernen. Somit geht es auch nicht darum, die Grammatik eingehend im Unterricht zu studieren. Im Vordergrund stehen das Sprechen und das Verstehen. Die Grammatik wird beiläufig gelernt, indem das Gehörte gesprochen wird.

Türkisch lernen

Die Naturmethode setzt auf den Spracherwerb durch permanente Konfrontation. (Bild: CandyBox Images – Fotolia)

Beispiel: Türkisch lernen

Türkisch gehört zu der Sprachgruppe der Turksprachen. Die Sprache wird in der Türkei, Syrien, Irak und Zypern gesprochen. Grammatikalisches Hauptmerkmal des Türkischen ist die Agglutination (Verschmelzung von Artikel bzw. Präposition mit dem dazugehörigen Substantiv) und die Neigung, kompliziert zusammengesetzte Wortgruppen zu bilden. In der türkischen Sprache fand man vor der Reform viele arabische und persische Wörter. Seit dem Jahr 1928 wird die lateinische Schrift verwendet.
Im Unterricht nach der Naturmethode spricht der Lehrer mit den Lernenden von Anfang an türkisch. Er stellt einfache Fragen und animiert die Lernenden so zum Sprechen. Im Unterricht werden türkische Vokabeln wiederholt, gelesen, gehört und nachgesprochen.
Die Alltagssprache steht im Mittelpunkt des Unterrichts. Themen wie Einkaufen gehen, jemanden Begrüßen, über seine Familie erzählen, u.a. werden aufgegriffen.
Der Lernende benutzt sofort die gehörten Wörter und spricht spontan. Das wiederholte Hören von einfachen Satzkonstruktionen fördert dieses Vorhaben. Zusätzlich weckt der Lehrer bei den Lernenden Assoziationen durch Zeigen sowie Visualisieren (Bilder, Objekte). Der Lehrer benutzt das sogenannte Frage-Antworten-Prinzip. Das laute Vorlesen von einfachen Texten wird ebenfalls im Unterricht eingesetzt.

Schwierigkeiten

Die Schwierigkeiten der Naturmethode fangen, wenn es darum geht, komplizierte Satzstrukturen zu lernen. In diesem Fall bedarf es einer Erklärung seitens des Lehrenden in der Muttersprache. Zudem gibt es im Türkischen viele Ausdrücke und Redewendungen, die ohne eine Erklärung nicht auskommen. Die Naturmethode eignet sich gut dafür, um als Anfänger eine Sprache kennenzulernen und einen Basiswortschatz aufzubauen. Wenn man aber die Sprache als Fortgeschrittener lernen will, dann wird es schwierig. In diesem Fall braucht man die Grammatik und muss sich auch mit ihr explizit auseinandersetzen. Die Anleitung in der Muttersprache kann in dieser Situation wesentlich mehr zum Lernerfolg beitragen. Der Lehrer vermag nicht alles durch zeigen und visualisieren zu erklären.