Geschichte der Türkei

Die wenigsten Länder dieser Erde liegen auf einem derart geschichtsträchtigen Boden wie die Türkei. Bereits seit 200.000 Jahren ist das Gebiet der heutigen Türkei besiedelt. Hethiter, Phryger und Hellenen hinterließen ihre Spuren in Kleinasien.

Anatolien, die Heimat legendärer Völker

Die Hethiter, die ca. zwischen 1900 und 1200 v. Chr. hier siedelten, bauten die antike und sagenumwobene Stadt Troja, die Phryger, die ihnen etwa im 8. und 9. Jh. v. Chr. folgten, wurden von König Midas regiert, um den sich noch heute die Legenden ranken.

Den Phrygern wiederum folgten die Hellenen, die in der Stadt Pergamon bedeutende Bauwerke errichteten, die von Archäologen wiederentdeckt wurden und deren Reste in Berlin im gleichnamigen Pergamonmuseum zu besichtigen sind. Auch andere Völker hielten Einzug im heutigen Gebiet Anatoliens, wie zum Beispiel die Lydier, deren König Krösus für seinen unglaublichen Reichtum bekannt war.

Die Perser und Byzanz

Von etwa 333 v. Chr. bis ins 6. Jh. v. Chr. beherrschten die Perser dieses Gebiet in Kleinasien, bis sie von Alexander dem Großen besiegt wurden.

Im 1. und 2. Jh. v. Chr. begannen die Römer ihre Invasion und herrschten bis ins 4. Jh.n.Chr. Nach der Teilung des Römischen Reiches wurde Kleinasien Teil Ostroms, das auch unter dem Namen Byzanz bekannt ist, und dessen Hauptstadt Konstantinopel der Sitz des Patriarchen der oströmischen Kirche.

Das Byzantinische Reich war fortwährend den Angriffen anderer Völker ausgesetzt, welche es schwächten und mit der Zeit große territoriale Verluste verursachten. Byzanz verkam zwischen dem 11. und 14. Jh. zum Kleinstaat.

Die ethnischen Wurzeln des türkischen Volkes

Die ersten Seldschuken, ein islamisierter Turkstamm, die einen der türkischen Stämme darstellten, die sich zuerst in Anatolien niederließen, schlugen Byzanz vernichtend und errichteten das Sultanat der Rum-Seldschuken. Die Wurzeln der türkischen Ethnie werden im heutigen Usbekistan und Afghanistan vermutet.

1075 bis 1307 existierte das großseldschukische Reich, das sich über fast ganz Kleinasien erstreckte. Hauptstadt dieses, aus einzelnen Fürstentümern, türkisch Beyliks, bestehenden, mächtigen Staatsgebildes war Konya.

Osmanisches Reich um 1900

Osmanisches Reich um 1900 (Bild: Gemeinfrei/Wikipedia)

Das Osmanische Reich

Aus dem von Osman Bey regierten Beylik ging das Osmanische Reich hervor. Die Osmanen waren diejenigen, die das Byzantinische Reich endgültig eroberten und Konstantinopel unter ihre Kontrolle brachten.

Die Dynastie der Osmanen herrschte von 1299 bis 1923. In Europa wurde das Osmanische Reich als das „Türkische Reich“ bezeichnet. Besonders unter Sultan Süleyman I., der von 1520 bis 1566 herrschte, gelangte das Osmanische Reich zu großer Macht und zu enormem Reichtum, sodass sich sein Expansionsbestreben bis vor die Tore Wiens ausbreitete.

Doch Korruption, Unruhen und wirtschaftliche Verluste schwächten das Reich, sodass es nach den Russisch-Türkischen Kriegen 1768-1774 endgültig seine Stellung als Weltmacht verloren hatte. Auch zahlreiche Reformen und Veränderung im Staatsgefüge, die mit Hilfe von europäischen Beratern durchgesetzt werden sollten, konnten den „kranken Mann am Bosporus“ nicht retten. Zwistigkeiten unter den einzelnen Volksgruppen in diesem Vielvölkerstaat taten ihr Übriges.

Am 13. April 1879 wurde der Staatsbankrott erklärt. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Sultanat abgeschafft und das ehemals so mächtige Imperium war den Siegermächten auf politischer Ebene völlig ausgeliefert.

Mustafa Kemal Atatürk

Mustafa Kemal Atatürk (Bild: Gemeinfrei/Wikipedia)

Kemal Atatürk

Im 19. Jahrhundert entstand eine Widerstandsbewegung gegen die Besatzer, die sich an nationalistischen Zielen orientierte. Zum Führer dieser Bewegung wurde Mustafa Kemal, ein türkischer General, später auch unter dem Namen Atatürk bekannt. Im Jahre 1919 wurden Wahlen durchgeführt, die von der nationalen Widerstandsbewegung gewonnen wurden. Der Regierungssitz wurde von Istanbul, wie sich Konstantinopel jetzt nannte, nach Angora, dem heutigen Ankara, verlegt.

Am 29. Oktober 1923 wurde die Türkische Republik ausgerufen und die letzten Vertreter des Osmanischen Reiches mussten das Land verlassen. Unter Atatürk kam es zu weitreichenden Reformen, der Staat sollte modernisiert werden und sich an westlichen, säkularen Regierungsformen orientieren. Aufstände dagegen wurden mit Militärgewalt niedergeschlagen.

Die Türkei der Neuzeit

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Türkei Mitglied der NATO, die Industrialisierung und das Wirtschaftswachstum sollten vorangetrieben werden. Trotzdem nahmen die sozialen Spannungen zu und es kam 1960 zu einem Militärputsch, in dessen Verlauf das Militär die Macht übernahm und eine neue Verfassung erlassen wurde, die die Grundrechte einschränkte und die Macht der Militärs stärkte.

Bis in die 70er Jahre war die Türkei von raschen Regierungswechseln geprägt, sodass das Militär 1980 erneut putschte. Es wurden Antiterrorgesetze erlassen und das Recht auf freie Meinungsäußerung beschnitten. Auch weiterhin, bis zum Anfang des 21. Jahrhunderts, gab es ständige Neuwahlen, sodass die Lage sich recht instabil gestaltete.

Bindeglied zwischen Ost und West

Bei den Wahlen im Jahre 2002 gewann die AKP, als religiös-demokratisch orientierte Partei, unter Recep Tayyip Erdoğan die Mehrheit im Parlament. 2010 wurden Pläne für einen Putsch durch das Militär aufgedeckt und vereitelt. Die Türkei setzt ihren selbstbewussten Kurs zwischen Islam und Annäherung an den Westen fort und ist wieder zu einem wichtigen Bindeglied von Orient und Okzident geworden.